Köln nachhaltig gestalten



Veranstaltungsreihe: vom guten Leben & von guten Ideen

Getreu dem Motto „global denken, lokal handeln“ hat der KölnAgenda e.V. Handlungsempfehlungen zur Wahlperiode 2014-2020 unter dem Titel „Nachhaltigkeit als Richtschnur kommunalen Handelns“ formuliert. Damit soll das Umdenken zugunsten einer nachhaltigen und bürger*innennahen Politik vorangebracht werden. Für eine nachhaltige und generationengerechte Gestaltung Kölns sind zukunftsweisendes kommunales Handeln und zivilgesellschaftliches Engagement entscheidend.

Die Veranstaltungsreihe „Köln nachhaltig gestalten – vom guten Leben & von guten Ideen“ – ein Gemeinschaftsprojekt Kölner Initiativen und Netzwerke, des KölnAgenda e.V. und der VHS Köln – bot engagierten Bürger*innen sowie Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung eine Plattform, über ihre Ideen zu sprechen, innovative Projekte vorzustellen und gemeinsam Perspektiven für ein gutes Leben zu entwickeln.

 

Die vier Veranstaltungen wurden ausführlich von KölnGlobal mit Text und Bild dokumentiert – Sie können die Dokumentationen auf dieser Seite downloaden.

 

„Orte des guten Lebens in Köln
Engagement aus dem Veedel für das Veedel“

Dienstag, 10.03.2015, 19.30 – 21.30 Uhr

Die erste Veranstaltung der Reihe befasste sich mit der Frage nach den Möglichkeiten eines guten Lebens und mehr Gemeinschaft in den Kölner Veedeln. Eingeladen waren Pfarrer Franz Meurer, Nicole Lange und Dr. Volker Ermert (Gartenwerkstadt Ehrenfeld e.V.), Stephan Weinand (Querwaldein e.V.) und Dunja Karabaic und Nika Rams (Magazin „Veedelfunker“). Moderiert wurde der Abend vom freien Journalisten Stefan Kreutzberger (Mitglied des KölnAgenda Vereins).

Zu Beginn berichtete Pfarrer Franz Meurer von der Quartiersentwicklung in Vingst. Im Anschluss veranschaulichten Nicole Lange und Volker Ermert die Arbeit in der Gartenwerkstatt Ehrenfeld und betonten die sozialen Aspekte des Gemeinschaftsprojektes. Gemeinsam wird dort gepflanzt, gebaut, geerntet und auch gegessen. Das Projekt hat außerdem Auswirkungen auf die Müllbilanz Ehrenfelds – die Vereinsmitglieder holen Grünabfälle von benachbarten Schulen oder auch Holzabfälle von nahe gelegenen Baustellen ab, um diese zu verwenden. Neben dem Gartenbahnhof in Ehrenfeld werden auch besonders unansehnliche Ecken Ehrenfelds und Unterkünfte für Geflüchtete begrünt.

Im Anschluss stellte Stephan Weinand das Gartenprojet vom Querwaldein e.V. vor, welches Kindern und Jugendlichen in strukturschwächeren Stadtteilen Kölns das Gärtnern ermöglicht. Neben dem Gärtnern werden noch weitere pädagogisch geleitete Projekte wie Upcycling in den „GartenClubs“ kostenfrei angeboten.

Der „Veedelfuker“ vom labor grün, präsentiert von Dunja Karabaic und Nika Rams, stellt als Nachbarschaftsmagazin einen Weg dar, durch mehr Informationsaustausch im eigenen Stadtteil Werbung für einen nachhaltigen Lebensstil zu machen und zu zeigen, was vor der eigenen Haustür schon alles passiert.

In der folgenden Diskussion ging es um die Frage, ob Ziele im Sinne der Nachhaltigkeit eher auf Initiative engagierter Bürger*innen oder in Zusammenarbeit mit der Kölner Stadtpolitik erreicht werden können. Dabei nahmen die Teilnehmer*innen sehr konträre Positionen ein.
Kooperationspartner des Abends waren: Agora Köln, Allerweltshaus e.V. und KölnGlobal

Ein Bericht zu der Veranstaltung können Sie auf choices.de lesen.

 

„Wie wollen wir leben?
Lokales Engagement für weltweite Gerechtigkeit“

Donnerstag, 07.05.2015, 19.30 – 21.45 Uhr

Zu der zweite Veranstaltung der Reihe zum Thema der Ablöse der MDGs durch die SDGs und welche Folgen dies für Kommunalpolitik und zivilgesellschaftliches Engagement haben kann, wurden Jens Martens (Global Policy Forum Bonn), Davide Brocchi (Initiator des „Tag des guten Lebens“), Werner Schleicher (Sportamt der Stadt Köln) und der Kabarettist Willibert Pauels geladen. Moderiert wurde der Abend von der Journalistin Julitta Münch (Botschafterin für das Europäische Jahr 2010 gegen Kinderarmut und soziale Ausgrenzung).

Zu Beginn der Veranstaltung hatten Besucher*innen die Möglichkeit, sich im Foyer an Ständen der Kooperationspartner zu informieren und sich die Ausstellung des Eine-Welt-Netzes NRW zur Post-15-Agenda anzusehen.
Im Anschluss begrüßte Johanna Puhlheim (Referentin für kommunale Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Köln) im Namen des Oberbürgermeisters alle Anwesenden und verlas seine Rede, in der dieser Kölns globale Verantwortung thematisierte.
Jens Martens stellte in seinem Vortrag die internationalen Verhandlungen zur Post-15-Agenda dar. Er ging darauf ein, dass die MDGs „ökologisch blind“ waren und für ein verengtes Entwicklungsverständnis standen, da sie keinerlei finanzielle Verpflichtung für Länder des globalen Nordens beinhalteten. Die SDGs nähmen auch den globalen Norden mit in die Verantwortung: Verringerung des CO2-Ausstoßes und Entmilitarisierung seien dabei nur zwei der Themen, die den sogenannten globalen Norden sehr direkt träfen.
Zu Beginn der Diskussionsrunde stellte Schleicher das Projekt „Mehr als ein Ball“ vor und reagierte überrascht auf die Frage, ob er im Sinne der Nachhaltigkeit Veränderungen im Sportamt durchführen wolle und sagte das sei Sache der Stadtverwaltung.
Davide Brocchi erläuterte seine Idee der Agora als Austauschplattform, ein „Labor für nachhaltige Lebensweisen“  und direkte gelebte Demokratie. Die Agora könne eine schrittweise Transformation der Stadt in Richtung Nachhaltigkeit bewirken. Durch die Diskussionsrunde mit Podiumsteilnehmer*innen und Zuhörer*innen wurde deutlich, dass Bürger*innenbeteiligung unerlässlich für Veränderung ist. Schon 2007 wurde durch das zivilgesellschaftliche Engagement von KölnGlobal erreicht, dass die Stadt Köln sich zu den MDGs bekannte und das Netzwerk Eine-Welt-Stadt Köln sowie eine halbe Stelle für kommunale Entwicklungszusammenarbeit schaffte.

Kooperationspartner waren an diesem Abend: Allerweltshaus e.V., Eine Welt Netz NRW, Eine-Welt Stadt Köln, Engagement Global/Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, KölnGlobal, europe direct, und die VHS Köln.

 

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Die Dokumentation der Veranstaltung wurde von Nora Zeigert erstellt.

 

„Nachhaltige Stadtentwicklung
Wie geht das? – Städte im Vergleich“

Dienstag, 12.05.2015, 19.30 – 21.30 Uhr

Auf der dritten Veranstaltung der Reihe wurde das Thema nachhaltige Stadtentwicklung thematisiert. Zu Gast waren Simone Ariane Pflaum (Leiterin des Nachhaltigkeitsmanagements der Stadt Freiburg), Marie Halbach (Vertretung für Dr. Klaus Reuter, dem Geschäftsführer der LAG 21 NRW) und Werner Stüttem (stellv. Leiter Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln). Moderiert wurde der Abend von Martin Rüttgers (Geschäftsführer des Instituts für Politikberatung und Forschung, Köln).

Zu Beginn stellte Pflaum die Anfänge und die Arbeit im Nachhaltigkeitsmanagement der Stadt Freiburg vor. Im dortigen Dezernat des Oberbürgermeisters wurde im Jahr 2011 eine Stabsstelle für Nachhaltigkeitsmanagement eingerichtet. Der Nachhaltigkeitsdiskurs in Freiburg, der maßgeblich durch die Bürger*innen vorangetrieben und geformt wurde, institutionalisierte sich 1996 durch die Unterzeichnung der Charta von Aalborg durch den Gemeinderat. Ein Jahr später begründete sich das Freiburger Forum 21 und formulierte Leitziele für die lokale Agenda – dieses Konzept wurde 2006 mit der Gründung des Freiburger Nachhaltigkeitsrates politisch umgesetzt. Im zweiten Teil des Vortrags ging Pflaum auf die inhaltliche Fokussierung, die Akteure, den Managementprozess sowie die Instrumente dafür ein. Sie betonte, dass die Stadtgesellschaft der wichtigste Akteur im Prozess sei.

Marie Halbach stellte in ihrem Vortrag die Länderstudie Rio+20 in NRW des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung vor und verdeutlichte, wie sich kommunale Nachhaltigkeitsprozesse seit der Rio-Konferenz 1992 entwickelt haben. Konzepte und Umsetzung zu einer nachhaltigen Entwicklung der Kommunen seien noch ausbaufähig – häufig scheitere dieser an finanziellen und strukturellen Ressourcen. Außerdem stellte Halbach das Projekt „Global Nachhaltige Kommune“ vor.

Werner Stüttem ging in seinem Vortrag auf die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung der Stadt Köln ein. Aufgrund des Bevölkerungswachstums sieht Stüttem die Wohnsituation sowie die Mobilität als besondere Herausforderungen. Als Kölner Konzepte für Nachhaltigkeit stellt Stüttem u.a. das Entwicklungskonzept südliche Innenstadt-Erweiterung, die Erweiterung des Grüngürtels sowie den Deutzer Hafen und Mühlheim 2020 vor.

In der Diskussion wurde von Pflaum die Wichtigkeit der Bürger*innenschaft auf dem Weg zu einer nachhaltigen Stadtpolitik einerseits und von Halbach die Wichtigkeit einer politischen Führung in diesem Prozess andererseits betont. Der Vergleich Köln mit Freiburg macht zumindest deutlich, dass in Köln noch viel passieren muss.

Kooperationsparter des Abend waren: Agora Köln, Allerweltshaus e V., KölnGlobal, VCD Regionalverband Köln e. V. und die VHS Köln.
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Die Dokumentation der Veranstaltungwurde von Sofie Sczilwik erstellt.

 

„Mitgedacht! Köln nachhaltig mobil
Mobilitätswende in Köln“

Dienstag, 09.06.2015, 17.30 – 21.30 Uhr

Bei der vierten Veranstaltung der Reihe hatten Besucher*innen die Möglichkeit, sich vor den kommenden Vorträgen auf dem „Markt der Mobilität“, im Foyer vor dem FORUM und von Expert*innen Anregungen zu einer Mobilitätswende in Köln geben zu lassen. Sichtbar und hörbar wurden Ideen von Rad-Express-Wegen in Köln oder dem Radverkehrskonzept Innenstadt. Auch das Amt für Straßen- und Verkehrstechnik sowie der VCD und die Fahrrad Sternfahrt stellten sich vor. Draußen konnten sich Neugierige an Pedelecs und Lastenrädern versuchen.

Zur Diskussionsveranstaltung waren Franz-Josef Höing (Beigeordneter für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln) und Jörg Thiemann-Linden (Stadt- und Verkehrsplaner Köln, SRL) geladen. Für Franz-Josef Höing kam Thilo Bosse (Projektleiter Stadtentwicklungskonzept Mobilität) und moderiert wurde der Abend von Roland Schüler (Friedensbildungswerk Köln).

Zu Beginn seines Vortrags mit dem Titel „Der Kölner Weg zu einer stadtverträglichen Mobilitätsstrategie“ skizzierte Bosse die Ausgangslage der Kölner Verkehrspolitik. Auch in Köln stelle der Radverkehr das Zentrum der Überlegungen für ein CO2-ärmeres Verkehrskonzept dar. Vom Stadt-Entwicklungs-Konzept (Stek) Mobilität und Verkehr erhoffe man sich, mehr im Bereich Fahrradmobilität zu erreichen.

Tiemann-Linden stellte zu Beginn seines Vortrags zur nachhaltigen Entwicklung im Kölner Stadtverkehr das Konzept der „Livable Streets“ (1981) von Donald Appleyards vor. Das Konzept sieht weniger motorisierten Verkehr zugunsten von mehr Sozialraum vor. Auch im Strategiepapier der Stadt „Köln Mobil 2025“ werden Ideen einer bürger*innenfreundlicheren Verkehrsentwicklung festgehalten. Auf dem Weg zu einer weiterreichenden Verkehrsberuhigung sieht Tiemann-Linden Tempo-30 Zonen und mehr Mischverkehr als wichtige Ankerpunkte. Auch mehr Sitzanlagen und Parkflächen seien für ein Konzept der Livable Streets unerlässlich. Abschließend warf Tiemann-Linden die Frage auf, warum in Köln wenig vom Konzept 1989 umgesetzt wurde, und meinte, eine Koproduktion von Stadtgesellschaft und Verwaltung sei für die Umsetzung sinnvoll.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit den Zuhörer*innen wurden  u.a. die Themen Fußverkehr und Abbau von Autostellplätzen in Köln thematisiert. Laut Ralph Herbertz (KölnAgenda e.V.) leide eine Mehrheit (der Nicht-Autofahrenden) diesbezüglich unter einer Minderheit (der Autofahrenden) und das Parken sei zu günstig.

Klar wurde durch die Diskussionsrunde weiter, dass kollektives Fehlverhalten im Fahrrad- und Fußverkehr Zeichen struktureller Planungsfehler sind und in Köln noch viel zu tun ist.

Kooperationspartner des Abend waren: Agora Köln, Allerweltshaus e.V., KölnGlobal, VCD Regionalverband Köln e.V. und die VHS Köln.
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Die Dokumentation der Veranstaltung wurde von Esther Trost und Cathrin Scior erstellt.
Einen weiteren Bericht zur der Veranstaltung finden Sie auf choices.de.